Mal abgesehen von fragwürdigen EU-Richtlinien wie dem maximalen Bräunungsgrad von Pommes Frites, dem Gott sei Dank 2009 abgeschafften Krümmungsgrad der Gurke und vielem mehr: was passiert eigentlich mit dem Obst und dem Gemüse, das unseren neuzeitlichen ästhetischen Ansprüchen nicht genügt?

Ich habe heute leider kein Foto für Dich: 30 % landen in der Tonne!

„Eine am […] 3. Oktober 2019 veröffentlichte Studie von WWF Österreich, Kastner und dem Österreichischen Ökologie-Institut erhebt erstmals Zahlen für die Lebensmittelverschwendung im Großhandel. Pro Jahr landen in diesem Sektor insgesamt 10.300 Tonnen Lebensmittel im Wert von 21,5 Millionen Euro im Müll. Das erhöht auch die Zahl der gesamten vermeidbaren Lebensmittelabfälle in Österreich: Zumindest 587.000 Tonnen sind es entlang der Wertschöpfungskette, wobei trotz des Schließens der Großhandel-Lücke immer noch die Zahlen der Landwirtschaft fehlen.“ (1)

Man halte sich das mal vor Augen! So viel Biogas können wir ja fast gar nicht produzieren…

53 % werden dabei in privaten Haushalten weggeworfen, anderes gerechnet schmeißt ein durchschnittlicher Haushalt ein Viertel der eingekauften Lebensmittel weg, vieles davon ungeöffnet. 30 % werden in der Landwirtschaft und den Produzenten entsorgt, 12 % gehen immerhin noch auf Kosten der Gastronomie und 5 % hat der Handel zu verantworten.

Unser Schönheitsanspruch spielt eine der größten Rollen.

Allein 2018 sind 70 % aller Kartoffeln nicht beim Konsumenten angelangt, weil sie unseren Schönheitsansprüchen nicht genügen. Bei den Nachbarn in Deutschland bleiben circa 40% der Ernte auf den Feldern zurück – wegen ihrer Schönheitsfehler! In Italien verrotten 17 Millionen Tonnen Obst, Gemüse und Getreide ohne, dass es überhaupt geerntet wurde.

Vermarktungsnormen.

Man setze sich mal mit den Vermarktungsnormen der EU auseinander. Einen Teil findet man unter anderem auf der Internetseite des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus. Vielleicht regt das Lesen dieser teils abstrusen Ausführungen den einen oder anderen Leser dieses Artikels dazu an, BEWUSST Produkte mit „Mängeln“ zu erwerben. Beispiel Äpfel, es ist nur ein minimaler Auszug aus der Vermarktungsnorm für Äpfel:

[…]

Äpfel werden in die drei nachstehend definierten Klassen eingeteilt:
i) Klasse Extra
Äpfel dieser Klasse müssen von höchster Qualität sein. Sie müssen die sortentypischen Merkmale aufweisen und einen unverletzten Stiel
besitzen.
Die Äpfel müssen folgende sortentypische Mindestfärbung aufweisen:
– 3/4 der Gesamtfläche mit roter Färbung in der Färbungsgruppe A,
– 1/2 der Gesamtfläche mit gemischt-roter Färbung in der Färbungsgruppe B,
– 1/3 der Gesamtfläche mit leicht rot verwaschener oder rot gestreifter Färbung in der Färbungsgruppe C.
– keine Mindestanforderung an die Färbung in der Färbungsgruppe D.

Das Fruchtfleisch muss vollkommen gesund sein.
Sie dürfen keine Fehler aufweisen, mit Ausnahme sehr leichter oberflächlicher Fehler, sofern diese das allgemeine Aussehen der Erzeugnisse und ihre Qualität, Haltbarkeit und Aufmachung im Packstück nicht beeinträchtigen:
– sehr leichte Schalenfehler,
– sehr leichte Berostung:
– bräunliche Flecken, nur in der Stielgrube und nicht gerunzelt, und/oder
– vereinzelte leichte Berostung.

[…]

Quelle (2)

Es handelt sich hier um einen Auszug aus einem 15 Seiten langen Dokument.

Wie können wir damit umgehen, wie kann man sich informieren, was machen andere?

Wenn man sich mit der Thematik auseinandersetzen möchte, bietet sich zum Beispiel der Film „Taste the waste“ an. Er ist zwar schon ein paar Tage alt, aber an der Grundthematik hat sich wenig geändert. „Der Film findet Antworten bei Bauern, Supermarkt-Direktoren, Müllarbeitern und Köchen. In Deutschland, Österreich, Japan, Frankreich, Kamerun, Italien und den Vereinigten Staaten. Und er findet Menschen, die unserem Essen mehr Wertschätzung entgegenbringen und Alternativen entwickelt haben, um die Verschwendung zu stoppen.“

Mehr unter http://www.tastethewaste.com/info/film.

Die künstlerische Auseinandersetzung geht über den Film hinaus, so hat der deutsche Künstler Uli Westphal (er setzt sich immer wieder mit Lebensmittelthemen auseinander) die Fotoserie „Mutatoes“ veröffentlicht. Mit den Bildern wird einem deutlich, was uns die Natur eigentlich liefert, wie schön doch gesellschaftlich definierte Hässlichkeit sein kann. Unter https://www.uliwestphal.de/mutatoes findet man einiges an Bildern.

In Wien gibt ein ambitioniertes Startup, das sich dem Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung widmet und stets und ständig auf der Suche nach Support ist. Ziel des Ganzen ist der Erwerb von „Restlware“ bei den Produzenten (vornehmlich Bio-Landwirte) und dem Weiterverkauf an den Endkunden. Wer sich aktiv engagieren möchte, kann das folglich mit und bei https://iss-kunterbunt.at machen!

Ebenfalls aus Wien kommt die „Unverschwendet GmbH“. „Unverschwendet verwandelt überschüssiges Obst und Gemüse in köstliche Produkte wie Marmelade, Sirup, Chutneys, Eingelegtes, Süß-Saures, Ketchup, Saucen und vieles mehr. Die kulinarische Lösung gegen Lebensmittelverschwendung!“ Im Internet unter https://www.unverschwendet.at findet man einen recht großen Onlineshop, Rezepte und mehr…

Was die Gastroprofis machen?

Wir berücksichtigen die Wegwerfsituationen bei Coachings, in Konzepten und in sämtlichen Beratungsgesprächen. Aufgrund jahrzentelanger Erfahrung in der Gastronomie haben wir einen guten Zugang zur „Restlverwertung“ und können diese auch in Snackkonzepten, Gastronomiekonzepten, Mitarbeitertrainings und sämtlichen anderen Bereichen unseres Portfolios gut kommunizieren und einbauen.

Machen doch Sie aus der Not eine Tugend und gestalten mit uns ein neues Level der Regionalität und Nachhaltigkeit. Ehrlich und effizient.

Am besten gleich Kontakt aufnehmen!

(1) Quelle: https://www.wwf.at/de/neue-wwf-studie-lebensmittelverschwendung-noch-hoeher-als-angenommen
(2) Quelle: https://www.bmnt.gv.at/land/produktion-maerkte/vermarktungsnormen/Obst_und_Gemuese.html

Ein Beitrag von Sascha Wenderoth, Wenderoth | Kulinarik. Konzept. Catering.