Neulich in der Zeitung gefunden: ein Gutschein eines großen Möbelhauses, diesmal kein Kampfangebot aus Schweden.

Nun tut sich die Gastronomie ohnehin schon schwer – die Menschen haben weniger Geld zur Verfügung, gehen weniger „vor die Tür“, muss sich laufend neu erfinden und Neues bieten, vom Preiskampf gar nicht erst zu reden. Nun bietet doch tatsächlich dieses Möbelhaus ein Schnitzel mit Pommes um EUR 1,90 an. Subventionierte Ware, Mischkalkulation, Aktion hin oder her. Das ist einfach nur noch ganz klar am Thema Wertschätzung vorbei.

Beschäftigt man sich ein wenig intensiver mit der Thematik „Essen im Möbelhaus“ findet man viele erschreckende Berichte. Laut Spiegel online zum Beispiel  „kommt jeder dritte Gast des Ikea-Restaurants ausschließlich zum Essen in das Möbelhaus. Ein Food-Truck des Möbelriesen tourte ganz ohne Möbel im Rahmen einer Marketingaktion durch Deutschland, um mehr über den Gusto der Leute zu erfahren. In London, Paris oder Oslo wurden Restaurants auf Zeit getestet, und eine Untersuchung von Statista weist Ikea auf Platz acht der Top-Gastroketten in Deutschland, noch vor Vapiano, aus. Der Erlös steige jährlich.“ Quelle: derstandard.at

Die niedrigen Preise bei IKEA für Hotdog, Köttbullar und Co. sollen die günstigen Möbelpreise unterstreichen und dem Kunden dadurch auch die Produkte im Möbelhaus billig erscheinen lassen. Und damit wird auch klar, warum es für den Möbelriesen völlig okay ist, am Essen nur einen geringen Anteil zu verdienen: Der höhere Gewinn durch Möbel und andere Produkte gleicht locker wieder aus, dass Ikea am Essen nur wenig verdient.

Doch in meinen Augen wird dem Kunden damit etwas völlig falsches signalisiert, nämlich dass es ein Schnitzel um EUR 1,90 geben KANN! Das wiederum erschwert es dem Wirten um die Ecke, sein Schweinsschnitzel um EUR 12,90 zu verkaufen, vom Kalbswiener um EUR 21,90 ganz zu schweigen. Der aber lebt davon! Er zahlt Pacht, Steuer, Löhne, Ware und vieles mehr. Das sieht aber leider niemand und so bleibt die Wertschätzung eines Produktes genauso auf der Strecke wie die Wertschätzung einer allumfänglichen gastronomischen Dienstleistung.

In Zeiten von Tripadvisor und Co. und der dadurch wachsenden Transparenz inklusive verfälschter Meinungsbildung werden XXXLutz-Restaurants auf Bewertungsplattformen gelobt! So sauber, so toll, so eine wahnsinnige Auswahl, so billig! Der Gasthof um die Ecke bekommt schon eine Ein-Sterne-Bewertung, wenn der Mülleimer am Damenklo voll ist. Eine traurige Entwicklung, die hoffentlich bald auch in den Rahmen einer Reglementierung fällt, wie die maximale Farbgebung von Pommes Frites!

Ein Kommentar von Sascha Wenderoth, Wenderoth | Kulinarik. Kochschule. Catering.